Br. Davids Weihnachts- und Neujahrsgrüße 2021

von Mirjam Luthe

Advent 2020

+ Meine Lieben,

Als Weihnachtsstern schicke ich Euch heuer die sechszackige Blüte eines Granatapfelbaums. Der Quarantäne wegen, bin ich ja immer noch in Argentinien, und hier ist es Sommer. Mir geht es wirklich gut, nur sonderbar fühlt es sich an, ganz ohne Winterwetter Advent zu feiern. Wenn aber das gewohnte Drum und Dran wegfällt, tritt das Wesentliche deutlicher hervor, und das ist heuer für mich die Stille. Sicher habt auch Ihr mehr Stille erlebt in diesem so ganz ungewöhnlichen Jahr, mehr Schweigen als in andren Jahren. Das kann ein großes Geschenk sein. 

Gehören Stille und Schweigen nicht zum innersten Wesen dieser heiligen Zeit? Auch meine liebste Weihnachtsantiphon drückt das aus. Jedes Jahr freue ich mich schon lange vorher auf diesen Vers aus dem Buch der Weisheit und auf seine ergreifende Melodie. Auch heuer werde ich sie wieder singen, denn das Stundengebet verbindet mich ja mit den Brüdern: 

„Als tiefes Schweigen das All umfing und die Nacht in ihrem raschen Lauf bis zur Mitte gelangt war,da sprang dein allmächtiges Wort herab vom Himmel,vom königlichen Thron.“ (Buch der Weisheit 18:14)

Jedes Wort will in „tiefem Schweigen“ empfangen werden; denn nur wer still wird, kann wirklich hören. Mythisch verstanden, kommt dieses Wort zwar „vom Himmel“, im Alltagserleben aber kommt es von gleich nebenan. Die Stille, die wir in diesen Tagen der Pandemie erleben dürfen, ist eine einzigartige Gelegenheit, ein Wort zu hören, das uns dringend angeht – das Wort von Menschen, mit denen wir nichts gemein zu haben meinen. 

Wo ich nur hinschaue in der Welt, ist die Gesellschaft heute in zwei Lager gespalten. Keine der beiden Seiten horcht auf die Gegenseite. Gerade das aber wäre not-wendig im Vollsinn dieses Wortes. Es könnte sich alles, alles wenden, etwa durch den Vorsatz, im neuen Jahr einmal wirklich hinzuhorchen auf jemanden, der völlig andrer Meinung ist, als wir – einmal

ohne vorgefasste Meinung zu versuchen, gemeinsame Probleme gemeinsam zu lösen. Wenn die Stille dieses Jahres weltweiten Leides uns bereit gemacht hat, tief hinzuhorchen, dann wird jedes unsrer Worte, das aus dem Schweigen kommt, ein „Ja“ sein zu gegenseitiger Zugehörigkeit. Es wird, wie die Antiphon singt, ein „allmächtiges Wort“ werden, denn Liebe vermag alles. 

In dieser Hoffnung für 2021 wünsche ich Euch Frieden und Freude,

Euer Bruder David

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